Zieht Wacker oder RTV den "schwarzen Peter"?

Seit zehn Meisterschaftspartien ist BSV Bern Muri ungeschlagen, die letzte Niederlage erlitten die Berner am 23. Oktober 2009 zu Gast bei Wacker Thun. Für diese 28:32-Niederlage strebt die Mannschaft von Trainer Peter Bachmann Wiedergutmachung an. "Wir wollen die zwei Punkte einfahren und mit einem Sieg unseren zweiten Tabellenrang konsolidieren", erklärt BSV-Rechtsaussen David Staudenmann vor dem 52. Kantonalderby unmissverständlich. Alle in der Qualifikationsphase erzielten Punkte werden  in die Finalrunde mitgenommen.

Mit dem Rücken zur Wand

Wacker steht nach 19 von 22 Runden mit dem Rücken zur Wand. Drei Zähler beträgt der Rückstand zu dem über dem Strich platzierten RTV Basel. Parallelen zur letzten Saison 2008/09 sind unübersehbar. Im drittletzten Spiel mussten die Thuner den BSV bezwingen, um nicht definitiv die Abstiegsrunde bestreiten zu müssen. Das Husarenstück gelang, die Schützlinge von Trainer Martin Rubin holten  in den verbleibenden drei Runden noch Punktemaximum. Nach dem  28:27-Auswärtssieg vom 8. März gegen den BSV bezwangen die Thuner anschliessend Pfadi Winterthur und Absteiger Stäfa. Kriens unterlag dagegen Kadetten Schaffhausen wie Amicitia und erhielt von Wacker buchstäblich in letzter Sekunde den "schwarzen Peter" in die Hand gedrückt.

Dass die Hoffnung zuletzt stirbt hat die Wacker-Truppe ihren 810 treuen Fans vor zehn Tagen in der Lachenhalle gezeigt, als die Rubin-Schützlinge St. Otmar  mit intakter Moral 31:29 niederkämpften. Wollen die Thuner weiterhin auf die Finalrunde hoffen, müssen mindestens noch vier Zähler eingefahren werden. Drei Punkte beträgt der Rückstand zum sechsplatzierten RTV Basel. Nach dem Berner Derby trifft Wacker noch auf Pfadi und Yellow Winterthur, zwei Widersacher gegen die man den Berner Oberländern durchaus vier Punkte zutrauen darf. Das vermeintlich Unerreichbare kann Wacker wie vor Jahresfrist erneut schaffen, aber nicht mehr aus eigener Kraft. Doch gegen die Kadetten (a), St. Otmar (h) und gegen den BSV (a) steht den vom ehemaligen Schweizer Nationaltrainer Arno Ehret betreuten Baslern ein happiges Schlussprogramm bevor. Und so könnte es durchaus passieren, dass es dem RTV wie Kriens vor einem Jahr ergeht - drei Niederlagen und Wacker Thun wird zum lachenden Erbe.

Zu viele Punkte verschenkt

Die Thuner vermochten sich in  den letzten Jahren stets für die Play-offs oder die Finalrunde zu qualifizieren. Das erhoffte man sich auch für diese Saison. Doch zu Beginn der Meisterschaft wurden gegen schwächer eingestufte Widersacher leider zu viele Zähler verschenkt, die nun fehlen könnten, um sich doch noch für den Kreis der Top-Sechs zu empfehlen. Auch den BSV würde es freuen, käme es damit doch zu zwei weiteren Derbies. Das Team von Trainer-Duo Rubin/Dejanovic hat mit den Erfolgen über den BSV und Titelverteidiger GC Amicitia gezeigt, dass es mit der Spitze durchaus mithalten kann.


BSV mit 21 - Wacker mit 27 Siegen

In der letzten Meisterschaft gewann Wacker die beiden Qualifikationspartien (35:33, 28:27), in der Finalrunde siegte dann  BSV Bern Muri mit 34:31 und 35:30 Toren. Im ersten Derby standen sich der BSV und Wacker am 12. November 1988 gegenüber, nach 60 Minuten trennte man sich 20:20 unentschieden. Im Team des BSV standen damals als Spieler Peter Bachmann und der fünffache Torschütze Martin Rubin. Die Bilanz lautet immer noch  klar zu Gunsten der Berner Oberländer. In den bisher 51 Begegnungen blieben die Thuner 27mal siegreich, 21mal gewann der BSV. David Staudenmann (597 Tore) und Benjamin Echaud (596) streben ihren 600. NL-A-Jubiläumstreffer im BSV-Dress an, der Ex-Thuner Sepp Schwander (497) dürfte bald das halbe Tausend voll machen.


Jürg Jungi

Jürg Jungi (JJ)

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Ein unermüdlicher Schreiber und ein wandelndes Handballarchiv zugleich.
JJ schreibt seine Zeilen zu jedem Heimspiel. Viel Vergnügen!