Im November 1961 startete der BSV zu seiner Premiere in einem Europacup-Wettbewerb. Die Berner besiegten im Meistercup auswärts den holländischen Klub von Niloc Amsterdam mit 24:17 Treffern. Im 73. Europacup-Einsatz gewährt der BSV Bern Muri im Cup Winners Cup mit Kremer/Hurry up nun wieder einem Vertreter aus Holland Gastrecht.
In den bisher 72 Auftritten in verschiedenen Europacup-Wettbewerben siegten die Berner 32mal und mussten das Parkett bei vier Unentschieden 36mal als Verlierer verlassen.
Europacup-Wettbewerbe sind für Spieler und Vereine eine ganz spezielle Herausforderung. Andere Mannschaften kennen lernen und ins Ausland reisen zu können, sind Farbtupfer im Meisterschaftsalltag. Sie sind die Belohnung für eine gute sportliche Performance und ein Leckerbissen, der den Trainingsalltag und den Meisterschaftsbetrieb in willkommener Weise auflockert. Europacup ist eine Art Zauberwort, das grosses Motivationspotential in sich birgt.
Anders als im Fussball lässt sich im Handball bei einer Teilnahme an Europacup-Wettbewerben aber nicht Geld verdienen – im Gegenteil. Selbst in der Champions League, die dank TV-Live-Übertragungen auf Eurosport grosse Aufmerksamkeit erhalten hat, sind die teilnehmenden Vereine mit grossen organisatorischen und finanziellen Herausforderungen konfrontiert. Strenge Vorgaben der EHF wie beispielsweise Auflagen an Komfort und TV-Tauglichkeit der Spielhallen, Verlegung des hellblauen internationalen Standard-Bodenbelages, Pflicht zur Live-Übertragung aller Spiele, etc. bürden den Champions League-Teilnehmern beträchtliche finanzielle Verpflichtungen auf, die meist nicht durch adäquate Zuschauer-Mehreinnahmen gedeckt werden können. Von unseren Schweizer Champions League-Teilnehmern weiss man, dass allein die Austragung der Spiele der Gruppenphase Mehrkosten in der Grössenordnung von insgesamt 200'000 bis 300'000 CHF verursachen.
Nicht so dramatisch ist die Situation in den weniger hoch kotierten Europacup-Wettbewerben wie EHF-Cup, Cup-Winners-Cup oder Challenge Cup. Aus eigener Erfahrung der letzten Jahre wissen wir, dass uns eine Europacup-Runde mit Heim- und Auswärtsspiel ein Defizit von Ø rund 15'000 CHF verursacht. Bei den Heimspielen fallen nebst den üblichen Organisationskosten zusätzliche Aufwendungen für die Beherbergung der gegnerischen Mannschaft, der Schiedsrichter und der Offiziellen an. Zusätzlich berappen wir die Kosten zum Auswärtsspiel, die je nach Ort und Land des Gegners sehr unterschiedlich sind. Es ist ein grosser Unterschied, ob wir - wie erlebt - nach Russland ins ferne Krasnodar reisen müssen, das zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer liegt, oder ob uns das Los einen Gegner aus Deutschland oder Holland beschert. Finanziert wird die Europacup-Teilnahme aus Rücklagen, die wir in unser ordentliches Vereins-Budget einbauen müssen. Hinzu kommen willkommene Unterstützungsbeiträge des Kantons aus dem Sportfonds.
Internationale Wettbewerbe sind also alles andere als lukrativ - sie sind aber Herausforderung und Highlight einer Saison zugleich - und daher allemal erstrebenswert.
Bericht: Willy Glaus VR-Präsident BSV Bern Muri
Kremer Hurry-Up, Bild: zvg.